Gegen Gewalt an Mädchen und Frauen, gegen ihre Genitalverstümmelung 2018-10-06T18:13:47+00:00

Gegen Gewalt an Mädchen und Frauen,
gegen ihre Genitalverstümmelung

Ziele von Lebenschancen International

Hauptziel von Lebenschancen International ist es, Maßnahmen zur Familienplanung bzw. Verhinderung ungewollter und riskanter Schwangerschaften in Entwicklungsländern zu finanzieren.

Daneben unterstützt die Organisation auch sonstige Maßnahmen zur Förderung der reproduktiven Gesundheit von Frauen. Dazu gehören Aktivitäten gegen Missbrauch und Vergewaltigung sowie – in einem weiteren Sinne – gegen häusliche Gewalt an Frauen, die alle auch häufig die Ursache von ungewollten und riskanten Schwangerschaften sind. Außerdem fördern wir im Projektland Burkina Faso Maßnahmen zur Überwindung der Beschneidung oder – deutlicher – Genitalverstümmelung von Mädchen.

Problem: Missbrauch, Vergewaltigung und häusliche Gewalt

Überall in der Welt sind erhebliche Anteile der Frauen häuslicher Gewalt durch den Partner ausgesetzt. In vielen Entwicklungsländern wird – vor allem in den wenig gebildeten Bevölkerungsschichten – nur wenig zwischen den Partnern gesprochen. Ist der Mann mit etwas nicht zufrieden, oder kann oder will die Frau seinen Wünschen nach Sexualität nicht nachkommen, wird gedroht und geschlagen. In manchen Ländern sind auch Missbrauch und Vergewaltigung von Mädchen und Frauen verbreitet.

Das gilt zumindest für unser Projektland Peru. Von den anderen Projektländern gibt es keine Daten dazu. Die häusliche Gewalt an Frauen soll aber auch dort verbreitet sein.

Wie Lebenschancen International bei der Überwindung hilft:
Schwerpunkt in Peru

In allen vier derzeitigen Projektländern, d.h. in Burkina Faso, Togo, Nepal und Peru, wurden bereits Informationsmaßnahmen zur Illegalität und Unterlassung von häuslicher Gewalt gefördert, meist als Ergänzungen zu Informationen über Empfängnisverhütung. Nur in Peru werden sie zur Zeit weiter gefördert und dabei auch Missbrauch und Vergewaltigungen berücksichtigt. Projektort ist die Großstadt Trujillo mit über 800.000 Einwohnern.

Zunächst wurde ein Netzwerk von Beratungsdiensten, Polizei und Justiz als permanente Institution von Hilfen eingerichtet. Dazu wurden auch Mitarbeiter/innen einschlägiger Institutionen und Frauengruppen über die Probleme und die Notwendigkeit informiert, Betroffene ernst zu nehmen und sie an diese Dienste zu verweisen und die Täter anzuzeigen.

Sodann wurden Plakate und Faltblätter zum Recht auf ein Leben ohne Gewalt verteilt und darin eine Serie entsprechender Rundfunksendungen angekündigt.  In diesen wurde ausgeführt, dass viele Frauen von häuslicher Gewalt betroffen sind, dass diese illegal ist, man sie nicht hinnehmen muss und wo die Betroffenen Rat und Hilfe bekommen können, auch zum Anzeigen der Täter.

Seminar für Polizist/innen und Jura-Student/innen über die verbreitete Gewalt an Frauen und die Notwendigkeit, die Betroffenen zu Anzeigen der Täter zu ermutigen und zu beraten.
(Fotos: NRO Micaela Bastidas, Peru)
Titelseite des in Trujillo verbreiteten Posters und eines zweiseitigen Faltblattes. Text in Deutsch:            Für das Recht auf ein Leben ohne Gewalt.

Problem: Genitalverstümmelung von Mädchen in Burkina Faso

In zahlreichen Ländern im nördlichen und östlichen Afrika sowie im Jemen und Irak, in Indonesien und Malaysia werden Mädchen an ihren äußeren Geschlechtsorganen beschnitten.

Betroffen sind auch Mädchen in unserem Projektland Burkina Faso. Hier werden im Allgemeinen die Klitoris und die kleinen Schamlippen entfernt, und dies mit Rasierklingen, Messern oder Glasscherben ohne Narkose und ohne hygienische Vorkehrungen. Viele Mädchen erleiden davon Traumatisierungen, Verwachsungen, bis zu faustgroße Narbenwucherungen und permanente Schmerzen. Einige verbluten bei dem Eingriff oder sterben in der Folge von Infektionen durch diesen. Manche haben sehr schwere Geburten.

Die grausame Praktik ist in Burkina Faso  – wie auch in mehreren anderen Ländern – schon länger gesetzlich verboten. Sie wird aber immer noch durchgeführt mit der Begründung, dass „die Tradition dies verlange“ oder „weil unsere Töchter anständige Mädchen und Frauen sein sollen“. Und wo kein Kläger ist, ist auch kein Richter.

Die 14-jährige Amelie berichtet bei einem Elterntag zur Unterlassung der Mädchenbeschneidung über ihre leidvollen Erfahrungen.
Hier ist ihr Bericht. (Foto: AFD, Burkina Faso)

Was Lebenschancen International für die Überwindung der Praktik tut

Seit 2010 fördern wir – zusammen mit dem Deutschen Frauenring (DFR) – in einer ländlichen Region im Norden des Landes, in der früher praktisch alle Mädchen beschnitten wurden, intensive Maßnahmen zur Unterlassung des Eingriffs.

Zunächst wird mit den traditionellen Chefs der Dörfer, die die Hüter der Normen sind, und den bisherigen Beschneiderinnen Kontakt aufgenommen, um sie über die Illegalität des Eingriffs und die geplanten Vorträge und Hausbesuche zu informieren und ihre Unterstützung dabei zu erbitten. Dann werden für die Bevölkerung und insbesondere die Frauen Vorträge zu den gravierenden Folgen mittels bebilderter Texte durchgeführt, ferner Gesprächskreise, Hausbesuche, Sketche sowie Radiosendungen mit der Möglichkeit, Fragen zu stellen oder eigene Auffassungen einzubringen. Außerdem werden die Probleme manchmal in Schulen behandelt und alljährlich bei Vorträgen zum Internationalen Frauentag, der in Burkina Faso Feiertag ist. Mehr hier.

Bis Ende 2016 konnten durch unsere Maßnahmen – nach allem Wissen – 35 Dörfer von der Plage befreit werden. Es wird geschätzt, dass damit – unter Berücksichtigung des unterschiedlichen Beginns der Maßnahmen in den einzelnen Dörfern – etwa 2.800 Mädchen vor dem Eingriff bewahrt wurden. Mit jedem Jahr kommen in den 35 „befreiten“ Dörfern bei den derzeitigen Geburtenzahlen weitere 560 Mädchen dazu (zuzüglich pro Jahr ca. 1,5 % mehr aus dem Bevölkerungswachstum).

2017 wurden entsprechende Informationsmaßnahmen in 15 weiteren Dörfern begonnen. Die Menschen hier haben noch nie etwas von der Illegalität des Eingriffs gehört und wußten nicht, dass die Unterleibsschmerzen, die einige Mädchen hatten, die Folge der Beschneidung sind.

Falls Sie mit Ihrer Spende Maßnahmen zur Überwindung der Genitalverstümmelung von Mädchen unterstützen wollen, schreiben Sie bei der Überweisung unter „Zweck“ bitte ,gegen Beschneidung’. Hier können Sie sofort spenden.

Aufklärung über die gravierenden Folgen der Mädchenbeschneidung mittels Bildtafeln auf einem Dorfmarkt.  Damit werden auch Frauen erreicht, die – wenn sie nicht auf dem Markt sind – tagsüber auf den Feldern arbeiten.  (Fotos: AFD, Burkina Faso)
Viele Menschen – Frauen, Männer und Kinder – kommen zum „Forum-Theater“ im Freien, bei dem die Zuschauer/innen einbezogen werden: Angesagt sind Sketche zur Unterlassung der Mädchenbeschneidung.