Maßnahmen zur Verhinderung der Mädchenbeschneidung

Linkes Bild: Traditionelle „Chefs“ der Dörfer bei einem Vortrag der Projektleiterin mit Vorstellung von deutschen Besucherinnen   (Foto: Jennifer Pross, Hanna Theis)

Traditionelle „Chefs“ der Dörfer bei einem Vortrag der Projektleiterin mit Vorstellung von deutschen Besucherinnen (Foto: Jennifer Pross, Hanna Theis)

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Rechtes Bild: Eine Gruppe von Hörer/innen einer Rundfunksendung zur Unterlassung der Mädchenbeschneidung. Der Kofferradio wurde speziell dazu geliehen.   (Foto: AFD, Burkina Faso)

Eine Gruppe von Hörer/innen einer Rundfunksendung zur Unterlassung der Mädchenbeschneidung. Der Kofferradio wurde speziell dazu geliehen. (Foto: AFD, Burkina Faso)

In jedem Dorf werden zunächst die traditionellen Dorfchefs und die als Beschneiderinnen  bekannten Frauen angesprochen und über die Illegalität, häufigen Folgeprobleme der Mädchenbeschneidung und die daraus resultierende Notwendigkeit, diese zu unterlassen, informiert. Außerdem werden sie um Unter- stützung bei den geplanten Informationsmaßnahmen gebeten und in diese einbezogen. Dies ist von grundlegender Bedeutung, damit sie die geplanten Aktivitäten nicht als Konkurrenz zu ihren traditionellen Befugnissen der Setzung und Kontrolle gesellschaftlicher Normen sehen und diese daher ablehnen.

Danach werden aus jedem Dorf möglichst eine interessierte Frau und ein Mann als lokale Ansprechpart-ner/in ausgewählt und für die Basisfragen der Thematik und deren Vermittlung in den Dörfern geschult. Die Maßnahmen umfassen insbesondere Hausbesuche, Gesprächskreise, Filmvorführungen und Vorträge  mit anschließenden Diskussionen. Dabei werden die beiden letzteren von voll ausgebildeten, externen Aufklärer/innen der Trägerorganisation durchgeführt.

Außerdem kommt in jedem viermonatigen Projekt für acht Dörfer einmal eine Theatertruppe von außerhalb, die ein lebensnahes Stück zum Thema “Soll unsere Tocher beschnitten werden oder nicht?” vorführt. Schließlich wird in jedem Projekt eine Rundfunksendung zu den Folgeproblemen der Beschneidung konzipiert und in einem regionalen Sender ausgestrahlt.

Sowohl bei dem Theaterstück als auch den Rundfunksendungen können die Zuschauer- bzw. Hörer/innen anschließend Fragen stellen. In den Sendungen werden zudem Fragen an die Hörer/innen gestellt. Die Fragen zu den Theaterstücken zeigen, wieweit die Informationen bei den Menschen in den Projektdörfern “angekommen” sind. Die Fragen und Antworten zu den Rundfunksendungen, die mindestens 250 Dörfer, d. h. mehr als die achtfache Zahl der bisherigen Projektorte, erreichen, bieten eher ein Bild zum Wissens- stand und den Einstellungen außerhalb der Projektdörfer.

Ein Radio hat bisher allerdings nur etwa ein Fünftel der ca. 50.000 Haushalte der Senderegion. Manch-
mal hören die Leute aber Sendungen bei Nachbarn, den lokalen Ansprechpartner/innen oder den Vorsitzenden der auf der Hauptseite erwähnten «Frauen-Wissensklubs». Letztere informieren auch
über die Termine der Sendungen zur Beschneidung und laden zum Hören in ihren Höfen sowie einer anschließenden Gesprächsrunde zu dem Thema ein. Wenn sie kein Radio haben, leiht ihnen die Träger-organisation der Projekte eines. Auch Handys, über die man sich – mangels Festnetztelefonen – in die Radiosendungen einschalten kann, gibt es bisher nur in etwa einem Fünftel der Haushalte.

Die intensiven Maßnahmen laufen über vier Monate. Danach werden die Gesprächskreise der Frauen in den «Wissensklubs»  fortgeführt. Auch wird von diesen – zusammen mit den Dorfchefs – bestmöglich weiter darüber gewacht, dass es keine heimlichen Beschneidungen gibt.