Maßnahmen Burkina Faso 2018-04-02T22:06:33+00:00

Wie wir Lebenschancen in Burkina Faso schaffen

Informationen zu den Problemen in Burkina Faso und zur Notwendigkeit der Maßnahmen finden Sie hier.

Überwindung der Mädchenbeschneidung

Aufklärung über die gravierenden Folgen der Mädchenbeschneidung mittels Bildmaterialien. Dafür werden zum Teil gezielt Männer eingesetzt, damit die Frauen sehen, dass auch Männer gegen diesen Eingriff sind und dass man mit ihnen über die Probleme sprechen kann. (Foto: Dorothée Grünholz)
Eine ehemalige Beschneiderin (2. von rechts) engagiert sich nun bei den Informationen zur Unterlassung des Eingriffs. Sie zeigt ein Bild von großen Narbenwucherungen, die sich oft infolge des Eingriffs bilden. Ganz rechts die begleitende Sozialpädagogin des Projekts. (Foto: AFD, Burkina Faso)

In Burkina Faso wurden früher ca. 70 % der Mädchen an ihren äußeren Geschlechtsorganen beschnitten, d.h. die Klitoris und die kleinen Schamlippen entfernt und das mit Rasierklingen, Messern oder Glasscherben ohne Betäubung. Die Aktion führt bei den meisten Mädchen zu einer Traumatisierung und bei vielen zu Verwachsungen, Narbenwucherungen, Unterleibsschmerzen – später auch beim Geschlechts- verkehr und manchmal zum Tod durch Verbluten oder infolge von Infektionen.

Diese Genitalverstümmelung der Mädchen ist in Burkina Faso seit 1996 gesetzlich verboten. Sie wird aber, insbesondere in den Dörfern, noch öfter durchgeführt mit der Begründung, dass die Tradition dies verlange oder die Mädchen „anständige Frauen werden sollen“. Und wo kein Kläger ist, ist auch kein Richter.

Lebenschancen International fördert seit 2010 intensive Informationsmaßnahmen zur Überwindung der Praktik in der Provinz Bam im Nordwesten von  Burkina Faso. An der Finanzierung und Projektbetreuung beteiligt sich der Deutsche Frauenring (DFR). Bis Ende 2016 konnten wir im Bezirk Kongoussi – nach allem möglichen Wissen – 35 Dörfer von der Plage befreien. Seit 2017 fördern wir entsprechende Maßnahmen in Dörfern eines benachbarten Bezirks.

Unsere Methoden

  • Gespräche mit dem Dorfchef als Hüter der Werte, Normen und Sitten im Dorf
  • Gespräche mit bisherigen Beschneiderinnen über die Illegalität, oft gravierenden Folgen und Nicht-Notwendigkeit der Genitalverstümmelung, um die Treue der Frauen zu sichern und Totgeburten zu vermeiden
  • Einsatz von speziell für diese sensiblen Themen ausgebildeten Aufklärer/innen
  • Informationsmaßnahmen: Vorträge – auch in den Schulen, Gesprächskreise und Kurse mittels Bildmaterialien sowie Abgabe von Informationsmaterial an diejenigen, die lesen können.
  • Vorführung von Sketchen oder kleinen Theaterstücken, bei denen die Zuschauer/innen einbezogen werden und Fragen stellen können
  • Gründung von „Frauen-Wissensclubs“ als Wächterinnen, dass der Eingriff nicht noch heimlich durchgeführt wird.

Sketche und Forum-Theateraufführungen mit anschließenden Diskussionen sind in Westafrika ein wichtiges Medium, um viele Menschen zu erreichen, weil die meisten ja nicht lesen und schreiben können und kein Fernsehgerät haben.

Ein Durchgang für ein Dorf erstreckt sich über vier Monate. Manchmal können damit alle über 14-jährigen Mädchen und Frauen in einem Dorf überzeugt werden, dass sie ihre Töchter nicht mehr beschneiden lassen. Häufig sind aber Wiederholungen nötig, um dieses Ziel zu erreichen.

Näheres zu den Ergebnissen, Kosten und Spendenmöglichkeiten zur Überwindung der Genitalverstümmelung hier.

Geschichte von Olivia, eines von vielen Mädchen in Burkina Faso mit den gleichen Problemen

Olivia-Story Titelseite

Olivia hatte nach der Wundheilung der Beschneidung starke Verwachsungen mit Schmerzen. Davon wurde sie durch eine Re-Operation im Jahr 2012 befreit. Ein Jahr später wurde sie mit nur 14 Jahren schwanger. Der Kindsvater hat die Vaterschaft geleugnet. Der eigene Vater hat Olivia daraufhin aus der Familie verstoßen. Sie ist dann zu einer der Aufklärerinnen geflüchtet. Diese hat eine Tante des Mädchens um dessen Aufnahme gebeten. Die Tante war dazu bereit, aber nur bis zur Geburt des Kindes. Danach hat die Aufklärerin mit den Eltern von Olivia gesprochen und dringend um ihre Aufnahme mit dem Enkel gebeten. Der Vater war einverstanden, hat sich aber geweigert, nochmals Schulkosten für seine Tochter zu zahlen, die gerne die Schule abschließen möchte. Mit Unterstützung der Mutter und von „Lebenschancen“ geht Olivia inzwischen wieder zur Schule. Auf der Basis ihrer schmerzlichen Erfahrungen hält sie zudem nun Aufklärungsvorträge in ihrer Schule und einigen Dörfern.
(Foto: AFD, Burkina Faso)

Aufklärung über Risikoschwangerschaften und Empfängnisverhütung

Aufklärungsmaßnahmen in diesen Bereichen sowie zur Prävention von HIV/Aids haben wir in Burkina Faso erstmals in den Jahren 2000/2001 in der Stadt Koupéla gefördert, und zwar speziell für Jugendliche und junge Erwachsene. Basis war der Bau eines „Jugendgesundheitszentrums“ zu diesen Zwecken. Dieses bietet bis  heute entsprechende Dienste. 2008-2014 haben wir entsprechende Aufklärungen in Schulen der Hauptstadt unterstützt.

Informationen über Möglichkeiten der Verhütung und der Familienplanung unterstützen wir auch bei den Projekten zur Überwindung der Mädchenbeschneidung, nachdem das viele Mädchen und Frauen in diesen Dörfern gewünscht haben.

Schüler/innen einer Mittelschule in der Hauptstadt bestaunen
die gerade eingetroffenen Aufklärungsmaterialien.
(Foto: AMPO, Burkina Faso)

Unser Ansatz bei diesen Maßnahmen

  • Informationsmaßnahmen: Vorträge, Gesprächskreise mit Bildmaterialien oder Vorführung von Video-Filmen
  • Ausbildung von Lehrern für Sexualkunde-Unterricht und Schüler/innen für die Aufklärung der Klassenkamerad/innen
  • Demonstration von Verhütungsmitteln und Hinweise auf deren Erhältlichkeit in den Gesundheitsstationen.

Die Ausbildung von Schüler/innen für die Aufklärung ist deshalb sehr wichtig, weil es zumindest in Westafrika starke Schambarrieren zwischen den Generationen gibt bzw. die Schüler/innen sich bei Fragen zum Sexualbereich kaum an die Lehrer wenden sowie eher Gleichaltrigen vertrauen.