Wie wir Lebenschancen in Burkina Faso schaffen

Überwindung der Mädchenbeschneidung

Aufklärung über Risikoschwangerschaften und Empfängnisverhütung

 Informationen zu den Problemen in Burkina Faso und zur Notwendigkeit der Maßnahmen finden Sie hier.

 

Überwindung der Mädchenbeschneidung

Kontakt

Aufklärung über die gravierenden Folgen der Mädchenbeschneidung mittels Bildmaterialien. Dafür werden zum Teil gezielt Männer eingesetzt, damit die Frauen sehen, dass auch Männer gegen diesen Eingriff sind und dass man mit
ihnen über die Probleme sprechen kann. (Foto: Dorothée Grünholz)

Zur Überwindung der Mädchenbeschneidung führen wir seit 2010 im Distrikt Kongoussi (im Nordwesten von  Burkina Faso) Projekte mit intensiven Informationsmaßnahmen und Kontrollmechanismen durch. Inzwischen haben 25 der fast 60 Dörfer entsprechende Informationen gehabt, 11 Dörfer gelten als voll überzeugt, die ersten wollen demnächst in einer öffentlichen Zeremonie – mit Niederlegung der Messer der Beschneiderinnen – der Praktik abschwören.

Unsere Methoden
  • Gespräche mit dem Dorfchef als Hüter der Werte, Normen und Sitten im Dorf
  • Gespräche mit bisherigen Beschneiderinnen über die Illegalität, oft gravierenden Folgen und Nicht-Notwendigkeit der Genitalverstümmelung
  • Ausbildung und Einsatz von Aufklärer/innen speziell für diese sehr sensible Thematik
  • Informationsmaßnahmen: Vorträge – auch in den Schulen, Vorführung von Video-Filmen, Gesprächskreise mittels einer Bilderbox, Hausbesuche
  • Vorführung von Theaterstücken und Konzipierung von Rundfunksendungen zu dem Thema mit anschließenden Diskussionsmöglichkeiten
  • Gründung von „Frauen-Wissensclubs“ als Wächterinnen, dass der Eingriff nicht noch heimlich durchgeführt wird, mit der Abgabe von Informationsmaterial an diejenigen, die lesen können.

Ein Durchgang für ein Dorf erstreckt sich über vier Monate. Meistens sind in der Folgezeit aber Wiederholungen nötig, um alle davon zu überzeugen, dass es nicht gut und nicht notwendig ist, die Mädchen beschneiden zu lassen.

Außerdem wurden in den früheren Projekten von 1999-2001, 2008 und 2012-14 Vorträge und Filmvor- führungen zur Unterlassung der Mädchenbeschneidung in zwei großen Städten finanziert, 2012-14 auch  Informationsmaterialien, eine Lautsprecher-Anlage und Theateraufführungen. Gegenstand von letzteren war zudem die Illegalität von Gewalt an Frauen und die Zwangsverheiratung von Mädchen. Theateraufführungen sind in Westafrika ein wichtiges Medium, um viele Menschen zu erreichen, weil die meisten ja nicht lesen und schreiben können und kein Fernsehgerät haben. Sie bieten auch meistens die Möglichkeit von anschließenden Diskussionen oder der Darstellung eigener Probleme.

Geschichte von Olivia, eines von vielen Mädchen in Burkina Faso mit den gleichen Problemen

Olivia-Story Titelseite

Olivia hatte nach der Wundheilung der Beschneidung starke Verwachsungen mit Schmerzen. Davon wurde sie durch eine Re-Operation im Jahr 2012 befreit. Ein Jahr später wurde sie mit nur 14 Jahren schwanger. Der Kindsvater hat die Vaterschaft geleugnet. Der eigene Vater hat Olivia daraufhin aus der Familie verstoßen. Sie ist dann zu einer der Aufklärerinnen geflüchtet. Diese hat eine Tante des Mädchens um dessen Aufnahme gebeten. Die Tante war dazu bereit, aber nur bis zur Geburt des Kindes. Danach hat die Aufklärerin mit den Eltern von Olivia gesprochen und dringend um ihre Aufnahme mit dem Enkel gebeten. Der Vater war einverstanden, hat   sich aber geweigert, nochmals Schulkosten für seine Tochter zu zahlen, die gerne die Schule abschließen möchte. Mit Unterstützung der Mutter und von „Lebenschancen“ geht Olivia inzwischen wieder zur Schule. Auf der Basis ihrer schmerzlichen Erfahrungen hält sie zudem nun Aufklärungsvorträge in ihrer Schule und einigen Dörfern.               (Foto: AFD, Burkina Faso)

 

Aufklärung über Risikoschwangerschaften und Empfängnisverhütung

Schüler/innen einer Mittelschule in der Hauptstadt bestaunen die gerade eingetroffenen Aufklärungsmaterialien. (Foto: AMPO, Burkina Faso)

Schüler/innen einer Mittelschule in der Hauptstadt bestaunen die gerade eingetroffenen Aufklärungsmaterialien.
(Foto: AMPO, Burkina Faso)

In den Dörfern des Beschneidungsprojekts haben sich Mädchen und Frauen 2012 Informationsmaßnah- men über Möglichkeiten der Verhütung unehelicher Schwangerschaften und der Familienplanung nach mehreren Geburten gewünscht, die wir seitdem dort ebenfalls finanzieren. Aufklärungen über Risiko- schwangerschaften und Empfängnisverhütung standen im Übrigen im Zentrum der Projekte von 1999-2001 in der Stadt Koupéla (mit Bau und Ausstattung eines Jugendgesundheitszentrums) und waren wesentliche Elemente von Maßnahmen der Jahre 2008-2014 in der Hauptstadt.

Unser Ansatz bei diesen Maßnahmen 
  • Informationsmaßnahmen: Vorträge, Gesprächskreise, Hausbesuche, zum Teil gelegentlich der Informationen zur Unterlassung der Mädchenbeschneidung
  • Ausbildung von Lehrern für Sexualkunde-Unterricht und Schüler/innen für die Aufklärung der Klassenkamerad/innen
  • Demonstration von Verhütungsmitteln und Hinweise auf deren Erhältlichkeit in den Gesundheits- stationen.

Näheres zu den konkreten Projekten in Burkina Faso ab 1999 hier.