Hintergründe des hohen Bevölkerungswachstums

Historisch hat die Weltbevölkerung in den vergangenen 25 Jahren absolut am stärksten zugenommen. Genau ist sie von 5,3 Milliarden Menschen  im Jahr 1990 auf 7,35 Milliarden angewachsen, nachdem sie in tausenden von Jahren bis zum Jahr 1965 nur auf 3,3 Milliarden Menschen angewachsen war.

Das starke Wachstum in den letzten Jahrzehnten hat unmittelbar zum Hintergrund, dass die Kindersterb-  lichkeit in den Entwicklungsländern durch die Errungenschaften der modernen Medizin mit Impfpro-    grammen und Steigerungen der Nahrungsmittelproduktion erheblich gesenkt und die Lebenserwartung erhöht werden konnte, während die Geburtenzahlen pro Frau viel weniger abgenommen haben.

Die Zahl der Kinder, die weltweit in den ersten fünf Lebensjahren sterben, konnte von 67 Millionen im Jahr 1990 auf 35 Millionen im Jahr 2015 bzw. um 48 % gesenkt werden. Die  durchschnittliche Zahl der Lebend-  geburten pro Frau hat sich im gleichen Zeitraum nur um 27 % verringert. Und die absoluten Geburten- zahlen haben sich in dem Zeitraum sogar etwas erhöht auf knapp 700 Millionen im Jahr 2015.

Dabei gibt es aber große Unterschiede zwischen den fünf geographischen Entwicklungsregionen, wie die folgenden Grafiken zeigen, und damit bei den Chancen für eine baldige Überwindung von Hunger und Armut.

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Graphiken nach Google-Data, dort nach Daten der Weltbank.
Sonstige Daten dieser Seite aus UN: World Population Prospects, The 2015 Revision.

*) Demographisch handelt es sich um die Gesamtfruchtbarkeitsrate, einen perspektivischen Wert. Die jetzt 49-jährigen Frauen haben noch um 5-20 % höhere Geburtenzahlen.
Werte in Deutschland 2015 zum Vergleich: Lebendgeburten pro Frau 1,5; Kindersterblichkeit: 0,4 % sterben vor dem 5. Geburtstag.

Wie die Graphik zeigt, haben die Frauen der jüngeren Generation in den Ländern Ostasiens und des Pazifiks schon seit 1997 im Durchschnitt nur noch 1,8 Lebendgeburten. In den Ländern Lateinamerikas und der Karibik sind es neuerdings nur noch 1,9 und damit etwas weniger, als langfristig für einen Erhalt der Bevölkerungszahlen erforderlich ist.

Weil in diesen Ländern in den kommenden Jahren noch sehr geburtenstarke Jahrgänge ins fortpflan- zungsfähige Alter kommen, werden die Bevölkerungszahlen dort aber weiter wachsen und sich in noch absehbarer Zeit verdoppeln, wenn die Geburtenzahl pro Frau nicht bald noch weiter sinkt. In den Ländern Lateinamerikas und der Karibik wird dies ggf. in ca. 58 Jahren der Fall sein und in den Ländern Ostasiens und des Pazifiks in ca. 100 Jahren. Wenn diese Länder die Nahrungsmittelproduktion und die Wasserver- sorgung entsprechend erhöhen können, werden sie das geringe Bevölkerungswachstum wirtschaftlich      gut verkraften können. Andernfalls würde sich die Versorgungslage jedoch verschlechtern. Ein leichtes Bevölkerungswachstum könnte bei günstiger Ausgangslange sogar das Wirtschaftswachstum fördern.

Die übrigen Regionen sind jedoch in einer weitaus ungünstigeren Situation. In Südasien, dem Nahen Osten und Nordafrika sowie in Subsahara-Afrika hatten die Frauen zuletzt durchschnittlich noch 2,5, 2,9 sowie 4,9 Lebendgeburten. Dies beinhaltet unter den gegebenen Sterberaten ein Bevölkerungswachstum von 1,4 %, 1,9 % und 2,7 % pro Jahr. Die Bevölkerung wird sich daher in Südasien in 49 Jahren verdoppeln, wenn die Geburtenzahl nicht bald stärker abnimmt, in den Ländern des Nahen Ostens und Nordafrikas ggf. in 36 Jahren und in Subsahara-Afrika in nur 26 Jahren, d.h. innerhalb einer Generation.

Wenn der Lebensstandard der Mehrheit der Menschen in diesen Regionen bald erheblich verbessert werden soll, muss die Wirtschaft pro Jahr mindestens doppelt so stark wachsen wie die Bevölkerung, d. h. in den jeweiligen Regionen um mindestens 2,8, 3,8 und 5,4  %. Mehrere  Länder schaffen vor allem die beiden ersteren Werte. Die 5,4 % für Subsahara-Afrika schaffen dort aber nur wenige.

Dabei ist zu berücksichtigen, dass es innerhalb der Regionen noch große Unterschiede zwischen den Ländern gibt – mit Bevölkerungswachstumsraten von unter 1 % pro Jahr in Ostasien und Ozeanien bis zu solchen mit ca. 3 %, vornehmlich in Subsahara-Afrika.