Notwendigkeit und Schwierigkeiten der Überwindung 

Die Vereinten Nationen, UNICEF, UNIFEM und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) sowie nichtstaat- liche Organisationen wie Amnesty International wenden sich gegen die Beschneidung und stufen sie als Verletzung des Menschenrechtes auf körperliche Unversehrtheit ein. In mehreren Ländern Afrikas – darunter auch unserem Projektland Burkina Faso – ist sie nun schon länger gesetzlich verboten (dort seit 1996).

Es ist jedoch nicht einfach, die Menschen von der Unterlassung des Eingriffs zu überzeugen, zumal viele Frauen nicht wissen, dass ihre Unterleibsschmerzen und schweren Geburten die Folge der Beschneidung sind. Auch dürfen sie in vielen traditionellen Kulturen nicht über Schmerzen klagen.

In den Städten hängen viele Menschen nicht mehr allen traditionellen Werten an, und man weiß nicht unbedingt, was die Nachbarn tun oder nicht tun. Hier können viele Menschen daher relativ rasch davon überzeugt werden, ihre Töchter nicht mehr beschneiden zu lassen.

Aber in den Dörfern, wo jeder über jeden Bescheid weiß und der soziale Druck gegen «Abweichler» groß ist, ist das nicht so einfach. Hier müssen zunächst die traditionellen Chefs als die Hüter der Werte und Normen, die Beschneiderinnen, die für die Maßnahmen bezahlt werden oder Geschenke erhalten, und dann die gesamte Bevölkerung davon überzeugt werden, dass sich Sitten ändern können und der Eingriff nicht notwendig ist, andererseits aber die Ursache der bis zu hühnereigroßen Narbenwucherungen, Unterleibsschmerzen, Traurigkeit vieler Mädchen und Frauen sowie von Todesfällen.

Aufklärung über die gravierenden Folgen der Mädchenbeschneidung mittels Bildmaterialien. Dafür werden zum Teil gezielt Männer eingesetzt, damit die Frauen sehen, dass auch Männer gegen diesen Eingriff sind und dass man mit  ihnen über die Probleme sprechen kann. (Foto: Dorothée Grünholz)

Aufklärung über die gravierenden Folgen der Mädchenbeschneidung mittels Bildmaterialien. Dafür werden zum Teil gezielt Männer eingesetzt, damit die Frauen sehen, dass auch Männer gegen diesen Eingriff sind und dass man mit ihnen über die Probleme sprechen kann. (Foto: Dorothée Grünholz)

 

 

 

 

Maßnahmen zur Überwindung führen am ehesten zum Erfolg, wo der Eingriff nur von kleineren Teilen der Bevölkerung praktiziert wird bzw. es viele Familien und umliegende Dörfer gibt, in denen die Mädchen nicht beschnitten werden. In den Ländern oder Regionen mit über 80 % Beschnittenen ist es trotz Ächtung durch die Vereinten Nationen und ihre Unterorganisationen sowie Bemühungen von großen Hilfsorganisationen und Geberländern jedoch schwierig, Änderungen zu erreichen bzw. solche setzen intensive Maßnahmen mit Kontrollmechanismen über mehrere Jahre voraus.