Hintergründe der Mädchenbeschneidung

Frauen der Ethnie der Peul oder Fulbe im Nordwesten von Burkina Faso. Sie wurden bisher alle beschnitten und gelten als besonders „resistent“ gegen Maßnahmen zur Unterlassung des Eingriffs. (Foto: Karl Wilhelm Simonis)

Frauen der Ethnie der Peul oder Fulbe im Nordwesten von Burkina Faso. Sie wurden bisher alle beschnitten und gelten als besonders „resistent“ gegen Maßnahmen zur Unterlassung des Eingriffs. (Foto: Karl Wilhelm Simonis)

Es handelt sich um eine uralte Tradition, und die Praktik wird auch vielfach so begründet oder damit, dass sie notwendig sei, um Keuschheit und Treue von Mädchen und Frauen zu sichern, oder dass die Ehre der Familie oder die Ehrung der Ahnen sie erfordern. Auch heißt es, erst damit würde das Mädchen reif, Frau und Mutter zu werden, und es gibt  Mythen, dass das Unterlassen der Beschneidung Unfruchtbarkeit oder ein Kontakt des Kindes mit der Klitoris bei der Geburt dessen Tod zur Folge habe. In manchen Gesellschaften wird zu dieser Maßnahme zur «Reifung» der Mädchen auch ein Fest veranstaltet, zu dem Verwandte und Nachbarn eingeladen werden.

In vielen Ländern berufen sich ihre Befürworter auch darauf, dass der Islam dies verlange. Tatsächlich ist die Praktik aber nur in einigen islamischen Ländern üblich, in den meisten jedoch nicht. Außerdem werden in einigen Ländern auch Mädchen in christlichen und animistisch orientierten Familien beschnitten, darunter auch ca. 75 % der Mädchen im überwiegend christlichen Äthiopien.

Vielmehr spielt die ethnische Zugehörigkeit und der Druck des Umfeldes in den Dörfern eine große Rolle für die Praktik und bei den Widerständen gegen deren Unterlassung. So kann die Verbreitung innerhalb von Ländern stark unterschiedlich sein. Andererseits gehen gleiche Häufigkeiten oft über die Grenzen benachbarter Länder hinaus. (vgl. Karte)

Näheres – leider nur in Englisch – in der UNICEF-Studie: Female Genital Mutilation/Cutting von 2013.